Schmerzmittel für Pferde – Verwendung oder Missbrauch?

Da Pferde nicht sprechen können, ist es für Sie als Besitzer wichtig, das Sie ihr Pferd sehr gut kennen. Denn nur dann können sie eine Änderung der Leistung oder des Verhaltens ihres Tieres erkennen und somit das Problem sofort angehen bzw. den Tierarzt informieren. Als Pferdebesitzer, darf man nicht vergessen das Pferde Beutetiere sind, die dazu neigen ihre Krankheit oder ihre Schmerzen, genau wie Katzen, zu verbergen.

Wie kann ich erkennen, ob mein Pferd Schmerzen hat?

Genau wie Menschen, zeigen Pferde mit Schmerzen eine Vielzahl von Anzeichen und Verhaltensweisen, welche abhängig von der Lage und Schwere der Schmerzen sind. Anzeichen hierfür könnten sein:

  • Lahmheit oder die Entlastung von einem Fuß im Stehen.
  • Das Betrachten der Flanke, das Pfoten, das Liegen, Rollen oder Grunzen deutet auf Bauchschmerzen hin.
  • Schwitzen.
  • Erhöhte Herzfrequenz.
  • Glasige Augen oder ein ängstlicher Ausdruck.
  • Häufiges schnauben oder wiehern.
  • Schwanzschwingen oder allgemeine Unruhe.
  • Widerwillen, das Gebiss zu akzeptieren, nicht zu fressen oder auf ungewöhnliche Weise zu kauen (Mundgeschwüre oder Zahnschmerzen).

Warum ist eine frühzeitige Schmerzbehandlung beim Pferd wichtig?

Die frühzeitige Schmerzbehandlung bei Pferden ist aus vielen Gründen wichtig. Neben den medizinischen Gründen gibt es noch weitere humane Vorteile, wie z.B. Gewichtserhaltung, kürzere Krankenhausaufenthalte und niedrigere Gesamtpatientenrechnungen.

Des Weiteren minimiert eine frühe Behandlung chronische Schmerzen und eine frühzeitige Behandlung erfordert weniger Gesamtmedikamente.

Medikamente werden oft in einem sogenannten ausgewogenen oder multimodalen Ansatz kombiniert, um die Vorteile mehrerer Wirkmechanismen mit niedrigeren Dosen und idealerweise weniger Nebenwirkungen zu nutzen.

Wie wird ein Schmerzmittel bei einem Pferd verabreicht?

Es gibt viele Möglichkeiten, einem Pferd Schmerzmittel zu verabreichen, z. B.:

  • Intravenös (IV)
  • Intramuskulär (IM)
  • Subkutan (SQ/SC)
  • Oral (PO)
  • Durch Epiduralinjektion (in den Wirbelkanal, aber außerhalb des Rückenmarks)
  • Transdermal (durch die Haut)
  • Durch kontinuierliche Infusion (CRI, das ist eine IV bei niedriger, konstanter Dosis).

Welche Methoden zur Schmerzbekämpfung bei Pferden gibt es?

Die Methoden zur Schmerzbekämpfung bei Pferden reichen u.a. von nicht-steroidalem entzündungshemmendem Drogenkonsum und Opioiden bis hin zu α-2 Agonisten und Ketamin. Im Laufe der Jahre haben den Tierärzten die Erfahrung und Forschung geholfen herauszufinden welche der zahlreichen Analgetika (Schmerzmittel) am wirksamsten sind.

Während einer Präsentation auf der Western Veterinary Conference 2011, die vom 20. bis 24. Februar in Las Vegas, Nev. stattfand, diskutierte Khursheed Mama, DVM, Dipl. ACVA, Professor für Veterinäranästhesie an der Colorado State University, die verschiedenen verfügbaren Schmerzmittel (Schmerzbehandlung) und wie wirksam sie im Allgemeinen bei der Behandlung von Schmerzen bei Pferden sind.

Einige gängige veterinärmedizinische Schmerzmittel sind:

  • NSAIDs

NSAIDs sind wirksam bei entzündungsbedingten, chronischen Schmerzen und werden häufig in multimodalen Ansätzen eingesetzt. Häufige Beispiele sind Phenylbutazon (Bute), Flunixin-Meglumin (Banamin), Meloxicam, Carprofen und das neuere transdermale Medikament Diclofenac (Surpass). Die meisten können IV oder PO verwendet werden. Diese sind sehr wirksam, haben aber einige signifikante Nebenwirkungen, dazu können u.a. Magengeschwüre, Auswirkungen auf die Nieren und Toxizität gehören.

Diese Medikamente sollten daher nur auf Anraten Ihres Tierarztes angewendet werden. Pferde, die diese Medikamente einnehmen, können Gastrogard® (Omeprazol) erhalten, um die Magenschleimhaut zu schützen.

  • Opioide

Diese Medikamente wirken auf das zentrale Nervensystem, um die Schmerzwahrnehmung zu verringern. Diese Schmerzmittel werden oft für Pferde mit starken Schmerzen gewählt.

Zu den gängigen Medikamenten gehören Morphium, Methadon, Oxymorphon, Butorphanol, Fentanyl und Buprenorphin.

Morphium ist ein Opiat, das aus dem Saft des Schlafmohnes gewonnen wird, der seit Jahrhunderten als wirksames Schmerzmittel verwendet wird. Morphium produziert seine pharmakologische Wirkung durch Bindung an die Opioidrezeptoren im Gehirn und im zentralen Nervensystem. Bei Pferden stimuliert Morphin die Bewegungsaktivität, verursacht Unruhe, unterdrückt Schmerzen und verlängert die Ausdauer.

In der tierärztlichen Praxis wird Morphinsulfat als Betäubungsmittel zur Linderung mittelschwerer bis starker Schmerzen und als präästhetisches Mittel für einige chirurgische Eingriffe eingesetzt. Unter den richtigen Umständen kann Morphium eine sehr wirtschaftliche und effektive Alternative sein, die auch in Verbindung mit Bute oder Banamin gut funktionieren kann.

Auf der FEI Equine Prohibited Substance List 2013 wurde Morphin, das zuvor als verbotene Substanz eingestuft war, vom FEI-Büro aufgrund seiner immer häufiger vorkommenden legitimen Verwendung in der Pferdemedizin als kontrollierte Medizin eingestuft.

Als Nebenwirkungen können gastrointestinale Stasis (Bewegungsmangel) gehören, die zu Impaktion, Bradykardie (langsamer Herzschlag), Hyperventilation und Erregung bei nicht schmerzhaften Pferden führen können. Die meisten erhalten IV, mit einigen SC, IM oder transdermal.

  • α-2 Agonisten

Diese Medikamente haben eine kurze Dauer der Analgesie und werden daher hauptsächlich zur Sedierung auf IV-, IM- und PO-Routen eingesetzt, obwohl Epidural-, CRI- und intraartikuläre Methoden verwendet wurden. Xylazin, Detomidin, Romanifidin und Medetomidin sind gängige Optionen.

  • Ketamin

Tierärzte verwenden Ketamin als eine Option zur Schmerzbehandlung bei Pferden. Einige Forscher haben vorgeschlagen, dass Ketamin die Hochregulierung verhindert (eine Erhöhung der zellulären Reaktion auf einen molekularen Reiz aufgrund der Erhöhung der Anzahl der Rezeptoren).

  • Lokalanästhetika

Lokalanästhetika können auf verschiedene Weise verwendet werden. Diese Medikamente werden häufig als Nervenblockaden zur Isolierung von Schmerzen wie zum Beispiel bei Lahmheiten sowie zur Desensibilisierung von Bereichen für invasivere Verfahren eingesetzt. Lidocain, Mepivacain, Bupivacain und Ropivacain sind gängige Optionen.

  • PDAs

Die Epiduralroute ist wahrscheinlich am bekanntesten für ihre häufige Anwendung zur Schmerzlinderung bei Frauen, die Säuglinge zur Welt bringen. Es wird aber auch bei Pferden z.B. bei schwerer Lahmheit, am Hinterkopf eingesetzt. Morphium, Ketamin, Tramadol, Xylazin und Detomidin sind gängige Optionen.

  • CRIs

Mehrere Medikamente können über die CRI verwendet werden; einige werden zur Schmerzlinderung bei Verbrennungen und Koliken verwendet, während andere zur Schmerzlinderung und Sedierung bei Stehverfahren verwendet werden können. Diese Medikamente führen oft zu einer Verbesserung des Appetits und zu kürzeren Krankenhausaufenthalten. Ketamin, Butorphanol, Detomidin und Medetomidin sind gängige Optionen.

Andere schmerzstillende Medikamente im Überblick

  • Tierärzte verwenden regelmäßig Lokalanästhetika (wie Lidocain und Carbocain) für die Regionalanästhesie bei Pferden.
  • Gabapentin wird derzeit bei Pferden, noch nicht weit verbreitet, eingesetzt. Bei Menschen und Kleintieren kommt es bei der Behandlung neuropathischer Schmerzen (verursacht durch Schäden an den peripheren Nerven oder dem Rückenmark) zum Einsatz. Gabapentin wird nach oraler Verabreichung von den Pferden aufgenommen. Ein Fallbericht, bei einer schwangeren Stute, weist darauf hin, dass Gabapentin nach einer Kolikenoperation eine „deutliche Verbesserung“ bei der Behandlung neuropathischer Schmerzen  erbrachte.
  • Tramadol (das mit Kodein verwandt ist) soll schwache Opioideigenschaften haben. Studien zu diesem Medikament haben zu widersprüchlichen Ergebnissen geführt. Es wurden jedoch eine Reihe von Nebenwirkungen bei der Verabreichung von Tramadol festgestellt, darunter: Kollaps, Zittern, Schwitzen und Erregung. Daher sind noch weitere Forschungen erforderlich, um festzustellen, ob dieses Medikament einen Platz in der Pferdemedizin haben wird.
  • Alternative Therapien

Zur Optimierung der Schmerzkontrolle können auch alternative Therapien wie Massage, Akupunktur oder Lasertherapie helfen.

Tipp:

  • Wenn wir zu viel Medikamente geben, kann es schwieriger werden, herauszufinden, an welcher Krankheit das Pferd leidet. Denn wenn das Pferd zum Beispiel Koliken hat, muss der Tierarzt wissen, wie sich die Schmerzen verändern, um dadurch feststellen zu können, ob eine Operation erforderlich ist.
  • Kombinationen verschiedener Medikamente scheinen am effektivsten zu sein, um Schmerzen zu lindern und gleichzeitig unerwünschte Nebenwirkungen zu minimieren.
  • Konsultieren Sie immer Ihren Tierarzt, bevor Sie Produkte/Substanzen zur Schmerzbekämpfung verwenden.

 

Quellen: 

wikipedia.org/wiki/Ketamin

wikipedia.org/wiki/Phenylbutazon
William C. Hilberg
As an author, Mr. Hilberg has published several papers on health issues that have gained international recognition. He is close to nature and loves the seclusion and activity as a freelance journalist. In his function as editor William C. Hilberg manages the entire content of PENP. Our team greatly appreciates his expertise and is proud to have him on board.