Das Deutsche Rote Kreuz

Das Deutsche Rote Kreuz ist wohl jedem ein Begriff. Viele Menschen haben schon die Dienste des DRK in Anspruch genommen. Doch gleichzeitig wissen viele Bürger nicht so viel über das Deutsche Rote Kreuz. Das muss sich ändern. Nicht selten wird auch Schlechtes über das DRK berichtet, Unterstellungen gehören zum Alltag dazu, in der Regel ohne Belege oder Grundlage. Im Folgenden soll das DRK daher näher unter die Lupe genommen werden, denn ohne die Helfer des DRK würde vieles im Lande nicht funktionieren oder nur deutlich schlechter.

Geschichte des Deutschen Roten Kreuzes


Deutsches Rotes Kreuz Logo
Logo des DRK

Das Deutsche Rote Kreuz ist nicht der einzige Verein dieser Art. Es gehört zur internationalen Rotkreuzbewegung, die ihren Ursprung im 19. Jahrhundert hat. Eine Zeit in der es viele Schlachten und Kriege gab, in der es aber auch ein Umdenken gab und humanitäres Gedankengut bekannter wurde. Es gibt einige Überlieferungen zum Entstehen der Rotkreuzbewegung, aber Henry Dunant gilt als Vater der Bewegung. Auslöser der Idee war die Schlacht von Solferino vom 24. Juni 1859. Die Idee verbreitete sich in den europäischen Ländern, wobei im Deutschen Reich die Gründung von Rotkreuzvereinen eher unabhängig voneinander geschah. Auch andere Namen wurden für die Gemeinschaften gewählt. Es war alles recht chaotisch, so wie man es von den Geschichtsbüchern über den Deutschen Bund kennt.

Die Rotkreuzverbände wurden sehr stark von Frauen besetzt, weshalb sich auch die Begrifflichkeit der Rotkreuzschwestern durchgesetzt hat. Aufgabe zur damaligen Zeit war die Pflege von im Krieg verwundeten Soldaten. Daneben entstand die Idee der zivilen Krankenpflege. Am 20. April 1869, gut zehn Jahre nachdem die Idee in die Welt gesetzt wurde, gründeten zwölf deutsche Landesverbände das Centralkomité der deutschen Vereine zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger, das nochmals zehn Jahre später den kürzeren Namen Zentralkomitee der deutschen Vereine vom Roten Kreuz bekam. Sitz des Vereins war Berlin.

Das DRK in seiner heutigen Form


Der Schritt zur Gründung des DRK in seiner heutigen Form wurde am 25. Januar 1921 gemacht. Das Deutsche Rote Kreuz wurde von Joachim von Winterfeldt-Menkin in Bamberg in die Welt gesetzt. Winterfeldt-Menkin war zugleich der erste Präsident des eingetragenen, rechtsfähigen Vereins. Das DRK wurde zum Dachverband der Landesvereine, die in ihrem Handeln aber weitestgehend unabhängig blieben. Mit Ende des Ersten Weltkrieges musste sich die Rotkreuzbewegung einer ernsten Existenzkrise stellen. Denn Sinn der Bewegung war die Organisation von Hilfsmaßnahmen bei Angriffen und Krisen. Weitestgehend wurden also Soldaten und Krieger versorgt und gepflegt. In Friedenszeiten, die mit dem Versailler Vertrag angestrebt wurden, wären die Rotkreuzverbände überflüssig geworden.

Die Neuorganisation 1921 zielte darauf ab, dem DRK neue Aufgaben zuzuordnen und so den Wegfall der Organisationen zu verhindern. Paragraph 2 der damals verabschiedeten Satzung beschreibt den Verein als Teil der Weltgemeinschaft mit Ziel gesundheitliche, wirtschaftliche und sittliche Not zu unterbinden und zu bekämpfen. Es folgt eine Aufzählung karitativer Aufgaben. Die Verwundetenfürsorge wird erst im letzten Punkt erwähnt. Eine gewisse Distanzierung zu ehemaligen Aufgaben soll also ersichtlich sein. Mit dem Beitritt zur Internationalen Liga der Rotkreuzgesellschaften konnte sich das DRK in der Nachkriegszeit zu einer angesehenen Wohlfahrtsorganisation etablieren. Die Abkehr damaliger, militarisierter Werte fand dabei allerdings nur oberflächlich statt.

DRK im Nationalsozialismus


Wie alle größeren Organisationen wurde das DRK in der Zeit des Dritten Reiches gleichgestellt. Personelle Änderungen und neue rechtliche Grundlagen führten zu einem neuen Verständnis des Deutschen Roten Kreuzes. Zahlreiche SS- und SA-Männer hatten führende Positionen in der Hilfsorganisation. Kriegsverbrechen und die unfassbaren Verbrechen in den Konzentrationslagern musste das DRK mit ansehen und hinnehmen. Am 26. April 1945 wurde das DRK-Hauptlager und -Präsidium in Babelsberg von sowjetischen Truppen eingenommen. Von den SS-Führungskräften gab es zu diesem Zeitpunkt keine Spur mehr.

DRK nach dem Zweiten Weltkrieg


Durch die Besatzung und Aufteilung des deutschen Gebiets wurde auch die Struktur des DRK weitestgehend aufgeteilt. Während in der sowjetischen und französischen Besatzungszone das DRK aufgelöst wurde, konnte es in der amerikanischen und britischen Zone weiteragieren. Im Saarland, das eigenes Land wurde, nannte sich das DRK in Saarländischer Sanitäts- und Hilfsdienst um. In der Bundesrepublik wurde das DRK als Bundesverband am 4. Februar 1950 wiedergegründet. Nach der Angliederung des Saarlands an Deutschland wurde der saarländische Verein an das Deutsche Rote Kreuz angegliedert. Die Trennung Deutschlands in Ost und West brachte erneut strukturelle Umgliederungen. Nach der Wiedervereinigung wurden die entsprechenden Landesverbände aber wieder angegliedert.

Aufgaben des DRK heute


Krankenwagen von innenDas DRK heute ist sehr breit aufgestellt und erfüllt Aufgaben in unterschiedlichen Bereichen. Hervorragend ist besonders der Zivil- und Katastrophenschutz. Im Falle von Naturkatastrophen oder Unglücken stellt das DRK Fahrzeuge, Material und Personal zur Verfügung, um die Arbeit der Rettungskräfte von Feuerwehr und THW zu unterstützen. Besonders im medizinischen Bereich ist das DRK dann tätig. Das DRK kennen die meisten aber eher durch die Rettungswagen und den Rettungsdienst. Ein Anruf genügt und ein Team von Notärzten eilt zu stelle und bringt den Patienten zum nächstgelegenen Krankenhaus. Es gibt also eine enge Zusammenarbeit von Kliniken und DRK.

Daneben übernimmt das DRK aber auch andere wichtige, gesellschaftliche Aufgaben, wie die Sozialarbeit und die Altenpflege. Seelsorger, Psychologen, Altenpfleger und Sozialarbeiter werden häufig vom DRK ausgebildet und vom DRK an den Ort des Geschehens geschickt. Im internationalen Rahmen wird das Deutsche Rote Kreuz bei Katastrophen und humanitären Krisen tätig. Besonders stark vertreten ist das DRK in Afrika, wo es weltweit die größte Not gibt.

Daneben erfüllt das DRK folgende Aufgaben:

  • Kinder- und Jugendhilfe
  • Familienbetreuung
  • Integration, Inklusion und Migration
  • Ausbildung zum Ersthelfer
  • Gesundheitsförderung

Gliederung


Das DRK ist ein Dachverband, dem andere Verbände untergeordnet sind. Dazu zählen zunächst einmal die 19 Landesverbände, die mit Ausnahme des Bayrischen Roten Kreuzes alle eingetragene Vereine (e. V.) sind. Den Landesverbänden untergeordnet sind wiederum 480 Kreisverbände und die 33 Mitglieder des Verbands der Schwesternschaften vom Deutschen Roten Kreuz (VdS). Die Gemeinschaften, meist auf ehrenamtlicher Basis, stellen das Fundament des DRK dar. Die meisten aktiven Mitglieder, rund 300.000 an der Zahl, sind in diesen Gemeinschaften untergebracht. Neben den aktiven Mitgliedern gibt es über 2,9 Millionen Fördermitgliedern.

DRK Finanzierung


Das DRK finanziert sich einerseits durch die Mitgliedsbeiträge der rund vier Millionen Mitglieder in den unterschiedlichen Verbänden, andererseits aber auch durch den Erlös der Blutspendedienste. Es wird davon ausgegangen, dass allein durch die Blutspenden 500 Millionen Euro an das DRK fließen, weitere 700 Millionen durch den Umsatz der Rettungsdienste. Als sozialer Verein der Wohltätigkeit genießt das DRK steuerliche Vorteile, die sich bei der Finanzierung der Struktur guttun. Zudem arbeitet jeder Kreis- und Landesverband, 520 an der Zahl, offiziell unabhängig voneinander. Einnahmen bekommt das DRK aber auch durch die Ausbildung von Ersthelfern, was bei der Führerscheinprüfung unerlässlich ist und bei anderen spezialisierten Ausbildungen. Insgesamt wird der Gesamtumsatz des DRK auf 4,5 Milliarden Euro geschätzt. Unumstritten ist das nicht.

Kritik am DRK


Das deutsche Rote Kreuz gerät nicht selten in die Kritik. Besonders ihr Status als Verein des Allgemeinwohls und der Wohltätigkeit wird oft in Frage gestellt. Auslöser ist dabei häufig die Finanzierung des DRK und seine Einnahmen. Experten sind sich sicher, dass die Einnahmen nicht ausschließlich für die sozialen und wohltätigen Zwecke bereitstehen, sondern auch in andere Kassen fließen. Durch die eher unübersichtliche und intransparente Struktur des DRK sei das aber nicht einfach nachweisbar. Dennoch wird von 4,5 Millionen Euro Umsatz ausgegangen. Der Vorwurf, dass das DRK ein Wirtschaftsunternehmen ist, steht seit Jahren im Raum.

Besonders das Geschäft mit dem Blut fällt dabei negativ auf. Im Jahr 2016 lag der Erlös pro Blutspende, also pro 500 Milliliter, bei rund 135 Euro. Das macht einen Literpreis von 270 Euro. Vom Erlös sieht der Spender dabei nichts. Blutspenden, die für Krisengebiete vorgesehen sind, sollen sogar noch höhere Erlöse erzielen. Angesichts dieser Umstände sind Zweifel über die Gemeinnützigkeit durchaus angebracht. Blutspenden werden weiterhin dringend benötigt, doch am System Blutspende müsste sich was ändern. Offiziell heißt es von Seiten des DRK, dass keine signifikanten Überschüsse erwirtschaftet werden.

Entwicklungshilfe


Trotz aller Kritik lassen sich die Erfolge und die Hilfe des DRK nicht verdrängen. Die Verbände vom Roten Kreuz arbeiten eng mit Entwicklungshelfern und Hochschulen zusammen, um in den notleidenden Ländern möglichst gezielte Hilfe leisten zu können. Nach verheerenden Katastrophen wie dem Tsunami in Indonesien 2004 oder dem Erdbeben in Haiti hilft das DRK beim Aufbau und der Versorgung der Bevölkerung. Medizinische Versorgung, sowie seelische Betreuung gehören ebenfalls um Hilfsangebot des DRK.

Aber auch in Regionen, die von Katastrophen bedroht sind agiert das Deutsche Rote Kreuz. Prävention und Resilienz zählen zu den Zielen des DRK. Die Bevölkerung soll geschult werden, um bei kommenden Katastrophen eigenständig helfen zu können. Daneben wird den Menschen der ökologische und nachhaltige Anbau von Lebensmitteln in der Region gezeigt, sowie die Gewinnung von sauberem Trinkwasser. Gewährleistet wird diese Hilfe von zahlreichen Freiwilligen und Ehrenamtlichen, die die Risiken auf sich nehmen, ohne vergütet zu werden. Der Dank der Menschen vor Ort ist meist Bezahlung genug.

Schaut man sich die Zahlen zur Auslandshilfe an, kann man ins Staunen kommen. Das DRK ist in über 50 Ländern im Einsatz, um die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort zu verbessern. Um die weltweite Hilfe optimal zu gestalten arbeitet das DRK eng mit den Gesellschaften der jeweiligen Länder zusammen. Koordiniert wird das Hilfssystem über das IFRC, ein Zusammenschluss von Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften. Im Falle von Kriegen und Konflikten koordiniert meist das Internationale Komitee vom Roten Kreuz die Arbeit der Landesgesellschaften.

Einsatzgebiete

 

Das DRK ist auf jedem Kontinent auf der Welt in Einsatz. Besonders In Afrika, dem Nahen Osten und Südostasien ist eine hohe Präsenz des DRK zu finden. In Afrika ist das DRK in folgenden Ländern aktiv:

  • Ägypten
  • Liberia
  • Madagaskar
  • Marokko
  • Nigeria
  • Somalia
  • Sudan
  • Togo
  • Uganda

Bei diesen Ländern handelt es sich um Projektländer. Dürren, Hungersnöte und Flüchtlingsbewegungen sind die zentralen Probleme dieser Länder. Ziel des DRK ist es, die Fluchtursachen anzugehen und die Ernährung in den Ländern zu sichern. Knapp neun Millionen Menschen sterben weltweit an den Folgen von Unterernährung und Hunger. Besonders in Afrika ist die Situation sehr dringend.

Im asiatischen Raum wird Hilfe vor allem in Südostasien geleistet. Diese Region ist besonders stark von Naturkatastrophen geprägt. Taifune, Monsun und Erdbeben sind dort immer wiederkehrende Ereignisse, die Entwicklung und Fortschritt erschweren. Die Ernährung der Bevölkerung hat Vorrang, daneben wird aber auch an Vorwarnsystemen und sicherer Architektur gearbeitet.

Das Deutsche Rote Kreuz unterstützen


Krankenwagen und Marathonläufer
DRK-Mitarbeiter behandeln einen erschöpften Marathon-Läufer

Das DRK ist auf die Hilfe von Freiwilligen und Ehrenamtlichen Helfern angewiesen. Ohne diese Menschen wäre die Hilfe in den zahlreichen Ländern gar nicht möglich. Jeder Helfende wird gebraucht. Wer also Freude am Helfen hat und gerne auch neue Regionen der Welt kennenlernen will, kann sich beim DRK als Helfer melden. Das geht beim Ortverband vor Ort. Direkt Reisen geht natürlich nicht, denn zunächst braucht es eine grundlegende Ausbildung zum Krisenhelfer. Es braucht schließlich auch einen starken Willen und einen unerschütterlichen Geist. Man muss risikobereit sein und anpacken können.

Natürlich kann man im eigenen Land ebenfalls anpacken. Sozialarbeit, Altenpflege, Ausbildungen müssen von jemandem übernommen werden. Verstärkung wird in einigen Ortsverbänden händeringend gesucht. Doch von den rund vier Millionen Mitgliedern sind nur die wenigsten im aktiven Dienst. Bei den meisten Mitgliedern handelt es sich um Unterstützer und Fördermitglieder. Die jüngsten Mitglieder sind dem Deutschen Jugendrotkreuz aktiv, wo sie bereits früh lernen, wie man helfen und anpacken kann. Der Verband der Jugend ist mit seinen rund 140.000 Mitgliedern besonders im Bereich Gesundheit und Umwelt tätig, daneben auch bei der Völkerverständigung und dem Einsatz für Frieden auf der Welt.

Unterstützen kann man das DRK aber auch, ohne Mitglied zu sein. Spenden jeglicher Art werden dankbar angenommen. Folgende Spendenarten können beim DRK abgegeben werden:

  • Kleidungs- und Schuhspenden
  • Geldspenden
  • Sachspenden
  • Lebensmittelspenden (vor allem von Unternehmen)
  • Blut- und Plasmaspenden

Neue Herausforderungen des DRK


Mit der Migration vieler Menschen aus Nahost ab 2015 wurden viele staatliche und gemeinnützige Organisationen in einer neuen Weise gefordert. Das DRK hat sich dabei natürlich auch beteiligt und betreute die Einreise, Verpflegung und Unterbringung von Geflohenen. Diese Hilfe hält bis heute an und ist verstärkt an den Grenzen zu finden, wo die Geflohenen ankommen.

Doch auch international wird es in Zukunft neue Herausforderungen geben. Der Klimawandel wird das Ausmaß vieler Wetterphänomene verstärken. Wirbelstürme, Überflutungen und Starkregen werden immense Schäden an Personen und Gebäuden anrichten. Das DRK wird sich auf diese Form der Schäden einrichten müssen. Zudem müssen neue Maßnahmen zur Prävention gefunden werden, um den neuen Gewalten der Natur entgegenwirken zu können. Um die Wendekreise wird das Dürrerisiko wohl weiter stark steigen und die Nahrungsgrundlage vieler Menschen vernichten. Besonders im Hinblick auf das starke Bevölkerungswachstum in Afrika müssen schnell Lösungen gefunden werden, die wirklich funktionieren.

Zudem wird sich das Deutsche Rote Kreuz auf neue Konflikte einstellen. Denn Kriege um Wasser sind heute kein undenkbares Szenario mehr, vor allem, wenn man die Bilder der verdorrten Wüstenregionen vor Augen hat.

Fazit


Das Deutsche Rote Kreuz ist eine bedeutende Organisation, die weltweit agiert und in Krisenregionen und von Katastrophen heimgesuchten Ländern hilft. Die medizinische, materielle und präventive Hilfe in über 50 Ländern zeigt Früchte und rettet viele Menschen vor Ort. Auch im eigenen Land ist das DRK in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens tätig. Wenn auch das DRK nicht immer ganz unumstritten ist, so ist es doch eine unverzichtbare Organisation, die Leben rettet und hilfsbedürftigen Menschen hilft. Möglich machen das auch die vielen freiwilligen Helfer, die aus Überzeugung dabei sind.

 

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William C. Hilberg
As an author, Mr. Hilberg has published several papers on health issues that have gained international recognition. He is close to nature and loves the seclusion and activity as a freelance journalist. In his function as editor William C. Hilberg manages the entire content of PENP. Our team greatly appreciates his expertise and is proud to have him on board.