Habe ich chronische Schmerzen?

1. Was sind chronische Schmerzen?

Chronische Schmerzen bezeichnet man als dauerhafte Erkrankung des zentralen Nervensystems. Chronische Schmerzen dauern im Gegensatz zu akuten Schmerzen, trotz Einsatz von Medikamenten oder Behandlung länger als 12 Wochen an. Ein weiteres Merkmal ist, dass chronische Schmerzen keinen offensichtlichen biologischen Wert haben. Da die Symptome von chronischen Schmerzen sehr vielfältig sind ist es wichtig für den Patienten die oft medizinischen Informationen zu verstehen.

Während sich die Schmerzen bei den meisten Menschen nach einer Verletzung oder Operation wieder normalisieren dauert der Schmerz länger an oder kommt ohne Vorgeschichte einer Verletzung oder Operation.

Die Schmerzen können entweder ständig vorhanden sein oder immer wieder punktuell auftreten. Auch Menschen ohne Verletzung oder Erkrankung können chronischen Schmerzen erfahren. (International Association for the Study of Pain, 2007). Diese Umstände machen eine Diagnose schwierig, da eine direkte Ursache nicht immer gefunden werden kann. Für die Therapie ist es aber wichtig die Ursache zu verstehen. Dazu ist auch die Hilfe des Patienten wichtig.

2. Auslöser für chronische Schmerzen

2.1 Kopfschmerzen und Migräne

  • Alkohol
  • Cluster-Kopfschmerzen
  • Drogen- oder Medikamentenmissbrauch
  • Riesenzell-(temporäre) Arteriitis
  • Glaukom
  • Migräne
  • Rauchen
  • Temporo-mandibular Gelenkdysfunktion
  • Trigeminal neuralgia

2.2 Muskuloskelettal

  • Ankylosierende Spondylitis
  • Osteoarthritis
  • Osteomyelitis
  • Osteoporose
  • Polymyalgie, rheumatische Erkrankungen
  • Polymyositis
  • Rheumatische Arthritis
  • Karpeltunnel-Syndrom
  • Chronische oder wiederholte Überbeanspruchung
  • Frakturen
  • Mechanische Rückenschmerzen
  • Muskelverspannungen
  • Myofasziale Erkrankungen

2.3 Neurologisch

  • Spinalkanalstenose
  • Thoraxausgangssyndrom (Blutgefäß-/Nervenkompression)
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Polyneuropathien (Schäden an peripheren Nerven)
  • Polyradikulopathien (Schädigung der Servalnervenwurzeln)
  • Alkoholismus
  • Verletzung und Kompression des Plexus Brachial
  • Komplexes regionales Schmerzsyndrom
  • Diabetische sensomotorische Polyneuropathie
  • Infektionen (z.B. HIV, Hepatitis C, postherpetische Neuralgie Herpes Zoster auch bekannt als Gürtelrose)
  • Multiple Sklerose
  • Perniziöse Anämie (beeinträchtigte Absorption von Vit. B12)

2.4 Psychologische Ursachen

  • Angst
  • Depressionen
  • Persönlichkeitsstörung
  • Schlafstörungen

2.5 Verursacht durch allgemeine medizinische Probleme oder Krankheiten

  • Abdominal (z.B. Magengeschwür, Reizdarmsyndrom, Pankreatitis, Hernien, Divertikelkrankheit)
  • Herz-Kreislauf (z.B. ischämische Herzkrankheit, koronare Herzkrankheit, Angina, periphere Gefäßerkrankungen, etc.)
  • Gynäkologisch (z.B. Endometriose)
  • Geburtshilfe (z.B. Symphyse Schambeinfunktionsstörung)
  • Urologisch (z.B. interstitielle Zystitis)Zu den chronischen Schmerzen, die durch Krankheitsprozesse entstehen, gehören:
  • Endokrin – z.B. Diabetes, Gelenkschmerzen etc.
  • Infektiös – z.B. Hepatitis C, HIV Postherpetische Neuralgie
  • Malignität – Krebs und Schmerzen nach der Behandlung (z.B. Chemotherapie, Bestrahlung oder Operation)
  • Rheumatologisch – z.B. Fibromyalgie, rheumatoide Arthritis, Osteoarthritis etc.

3 Unterschiedliche Formen von Schmerzen

3.1 Neuropathische Schmerzen

Neuropathische Schmerzen haben als Ursache einen direkten physikalischen Schaden oder funktionale Störung der Nerven, des Rückenmarks oder des Gehirns. Die Auswirkungen und Symptome sind brennende, stechende, stechende, stechende, betäubende oder prickelnde Schmerzen. Diese Art von Schmerzen tritt oft unvermittelt und heftig auf. Eine weitere Form von neuropathischen Schmerzen ist die Überempfindlichkeit gegen Berührung oder Kälte.

Ursachen sind:

  • Nervenkompression: z.B. Karpaltunnelsyndrom
  • Nervenschäden: z.B. periphere Neuropathie infolge von Diabetes mellitus oder Guillain-Barré-Syndrom
  • Anormale oder gestörte Verarbeitung von Schmerzsignalen durch Gehirn und Rückenmark: z.B. bei Phantomschmerzen nach einer Amputation, postherpetischer Neuralgie nach Gürtelrose (Herpes zoster) Infektion und komplexem regionalen Schmerzsyndrom.

3.2 Nozizeptive Schmerzen Definition

Nozizeptive Schmerzen treten durch eine Verletzung oder Beschädigung des Körpergewebes auf. Der Grund dafür kann, z.B. ein Unfall, ein Trauma, eine Verletzung oder Verbrennung, oder ein Bruch oder eine Fraktur sein. Nozizeptive Schmerzen sind in der Regel leicht zu lokalisieren, je nach dem Ort an dem das Gewebe geschädigt wurde. Üblicherweise werden diese Schmerzen als scharf oder stechend beschrieben.

Ursachen sind:

Die häufigste Form von nozizeptiven Schmerzen sind Rückenschmerzen. Aber auch nach onkologischen Therapien, z.B. nach Operationen oder Bestrahlungen von bösartigen Tumoren und bei degenerativen Muskel-Skelett-Erkrankungen wie z.B. Osteoarthritis und Osteoporose.

Auch lange nach der Verletzung oder Beschädigung, die die Schmerzen verursacht hat, können die Schmerzen anhalten. Psychologische Faktoren spielen oft eine Rolle, wenn nozizeptive Schmerzen nicht so schnell wie erwartet verschwinden

3.3 Psychogene chronische Schmerzen Definition

Psychogener Schmerz ist ein physischer Schmerz, der aus psychologischen Faktoren resultiert. Obwohl jede Schmerzart durch psychologische Faktoren wie mentale, emotionale oder Verhaltensfaktoren kompliziert werden kann, ist es umstritten, dass chronische körperliche Schmerzen allein aus rein psychologischen Faktoren entstehen. Psychogene Schmerzen sind weitaus seltener als nozizeptive oder neuropathische Schmerzen.

Emotionen und Schmerzen können einen sich verstärkenden Kreislauf bilden. Durch eine Verletzung wird entsteht leichter eine Niedergeschlagene Stimmung. Eine negative Stimmung kann sich jedoch wiederum negativ auf den Schmerz und die Heilung auswirken. Aus diesem Grund verwenden Ärzte oft Antidepressiva um chronische Schmerzen zu behandeln. Diese Medikamente können sowohl bei den Schmerzen als auch bei emotionaler Belastung durch die Schmerzen helfen.

Auch Schlafmangel  und daraus entstehender  Stress kann das Schmerzgefühl erheblich verstärken.

4 Maßnahmen bei chronischen Schmerzen

4.1 Professionelle Hilfe durch einen spezialisierten Arzt

Wenn Ihr Hausarzt denkt, dass Sie chronische Schmerzen haben könnten, dann sollte er/sie Sie an einen Schmerzspezialisten verweisen. Chronische Schmerzen können schwierig zu diagnostizieren und zu behandeln sein. Holen Sie sich in jedem Fall eine zweite Meinung ein falls Ihr Hausarzt nicht bereit ist Sie zu einem Spezialisten zu überweisen.

Bereiten Sie sich auf den Termin am besten vor in dem Sie ein Schmerztagebuch führen. Es sollte die Aufzeichnung Ihres Schmerzniveaus mehrmals täglich über einen längeren Zeitraum verfolgen. Auch Notizen in welchem Zusammenhang und bei welchen Aktivitäten der Schmerz stärker war sind sehr wichtig. Dazu gehört auch die Einnahme von Medikamenten. Diese Maßnahmen können sehr hilfreich sein um bestimmte Muster zu erkennen und Auslöser zu vermeiden.

4.2 Schmerzbewältigungsprogramm

Ein Schmerzbewältigungsprogramm (Pain Management Program, PMP) ist eine psychologisch begleitete Behandlung für Menschen mit anhaltenden Schmerzen. Meist werden diese Programme von einem interdisziplinären Team erfahrener Mediziner in enger Zusammenarbeit mit den Patienten durchgeführt. Außerdem wird dem Patienten gezeigt wie man mit dem Schmerz am besten umgeht und trotzdem ein aktives Leben führt.

4.3 Selbsthilfe

Hier einige Maßnahmen die helfen können Schmerze zu reduzieren:

  • Lernen Sie zu entspannen
    Wenn Sie Schmerzen haben kann schwierig sein etwas zu finden, das Sie entspannt. Trotzdem können Sie so den Stress der Schmerzen reduzieren.
  • Regelmäßige Bewegung
    Schon ein bißchen Mobilisierung wird Ihnen ein besseres Gefühl verschaffen und Ihre Schmerzen lindern. Außerdem halten Sie Ihre Muskeln und Gelenke stark.
  • Planen Sie Ihren Tag
    Erstellen Sie einen Tagesablauf welcher darauf ausgerichtet ist Ihre Schmerzen im Griff zu behalten.
  • Mit Ruhe
    Versuchen Sie nicht den Schmerz zu bekämpfen wenn er schlimmer wird. Verschaffen Sie sich erst Linderung und kehren dann zu Ihrem Vorhaben zurück.
  • regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln
    Nehmen Sie Ihre Schmerzmittel regelmäßig und wie vom Arzt oder Apotheker empfohlen ein. Nur eine planmäßige Einnahme stellt die maximale Wirkung sicher.
  • Kommunizieren Sie Ihre Situation
    Erzählen Sie Ihrer Familie und Ihren Freunden von Ihrer Erkrankung und erklären Sie warum Sie die Dinge im Moment anders machen müssen.
  • Genuss
    Versuchen Sie das zu tun was Ihnen Freude bereitet. Spaß steigert die Ausschüttung von natürlichen Schmerzmitteln und gibt Ihnen Kraft.

Quellen:

“WHAT IS CHRONIC PAIN”, https://www.chronicpain.ie/getting-help/what-is-chronic-pain

“Chronic pain”, https://www.nhsinform.scot/illnesses-and-conditions/brain-nerves-and-spinal-cord/chronic-pain

“Do I Have Chronic Pain?”, https://www.webmd.com/pain-management/guide/understanding-pain-management-chronic-pain#1

“Chronic pain”, https://en.wikipedia.org/wiki/Chronic_pain

“SCHMERZ BEHANDLUNG UND BEZIEHUNG EINE ANWENDUNGSORIENTIERTE STUDIE ÜBER CHRONISCHE
SCHMERZEN UND KÖRPERLICHE BEWEGUNG” https://www.researchgate.net/profile/Kirsten_Roessler/publication/325404607_Schmerz_-_Behandlung_und_Beziehung_Eine_anwendungsorientierte_Studie_uber_chronische_Schmerzen_und_korperliche_Bewegung_Habilitationsschrift/links/5b98c01f45851531057decd5/Schmerz-Behandlung-und-Beziehung-Eine-anwendungsorientierte-Studie-ueber-chronische-Schmerzen-und-koerperliche-Bewegung-Habilitationsschrift.pdf